Dienstag 11.4.23 Volkspark Friedrichshain, Märchenbrunnen, Weltfriedensglocke und -säule
Anfang April, und temperaturmäßig immer noch Winter, aber die Stadt versucht so zu tun, als wäre Frühling. Paula und ich sind drei Haltestellen weit mit der Trambahn M4 Richtung Alexanderplatz gefahren und steigen am Volkspark Friedrichshain wieder aus. Ich habe vor einiger Zeit schon mal vom "Friedhof der Märzgefallenen" erzählt, der liegt im Osten des Parks. Wir wollen heute aber mal wieder zum Märchenbrunnen, der liegt in der Südwestecke. Immerhin springen die Brunnen schon. Die Bäume haben vor lauter Kälte einen Stopp beim Ausschlagen eingelegt, was wenigstens den Vorteil hat, dass man überall noch sehr gut durchblickt. 
Noch ein paar Schritte weiter Richtung Park und am Delphinbrunnen vorbei, und die Stadt versinkt allmählich im Hintergrund.
Der aus Los Angeles stammende Künstler Tristan Eaton ließ
sich von der Filmgeschichte inspirieren und übersetzte für sein Gemälde den B-Movie-Klassiker von 1958 in ein riesiges Mural (Wandbild).
Nach so viel Kultur wollen wir erst mal einfach Park genießen, und das lässt sich zunächst auch ganz gut an (bis auf den finsteren Himmel, aber dafür kann ich nichts).
Der VP Friedrichshain hat noch einiges mehr zu bieten, z.B. den ehemaligen Hochbunker und heutigen Mont Klamott mit seiner Geschichte und seinen Geschichten (s.u. zum schon mal reinlesen), aber das schaffen wir heute nicht mehr, da müssten wir ja hoch und wieder runter steigen ... Wir gehen heim.
Paula fragt sich, ob ich wohl weiß, dass hier keine Hunde reindürfen (nicht mal an der Leine), aber ich hab's vergessen und so gehen wir völlig unverkrampft die kleine Allee zur Brunnenschale hinauf.

Der Märchenbrunnen ist mit Figuren aus Grimms Märchen geschmückt (daher der Name). Links und rechts vorne im Bild sind Hänsel und Gretel, jeweils mit einer Ente. Das geht auf eine mir bisher unbekannte Fassung des Märchens zurück, in der den beiden Geschwistern auf dem Heimweg ein Ente über ein hinderliches Gewässer half. Wenn man das Bild in der Ansicht ein bißchen vergrößert, kann man hinter Gretel "Brüderchen (als Reh) und Schwesterchen" und hinter Hänsel "Rotkäppchen und den Wolf" erkennen. Die Arkaden im Hintergrund, die von Hirschen und anderen Waldtieren gekrönt sind, vermitteln den Eindruck, als eröffne ein Zauberschloss den Weg in eine Waldwelt.
Dann gehen wir um den Brunnen herum und auf der anderen Seite wieder davon, beim Blick zurück wirken die Arkaden nun wie das Tor zwischen zauberischer Waldwelt und der großen Stadt.Noch ein paar Schritte weiter Richtung Park und am Delphinbrunnen vorbei, und die Stadt versinkt allmählich im Hintergrund.
Seitlich in den Büschen haben sich seltsame Wesen versammelt (solche Skulpturen nennt man Hermen, hab ich gelesen), die ich nur zum Teil den mir bekannten Grimmschen Märchen zuordnen kann (für sachdienliche Hinweise bin ich dankbar):
Frau Holle (vermutlich)
Menschenfresser, oh weh!
Aber rechts im Hintergrund naht Hilfe aus einer anderen Zeit: "Angriff der 20-m-Frau"Wer sich für die Geschichte des Friedrichshaines und des Märchenbrunnens interessiert, muss hier wie überall Hinweistafeln lesen: Mit etwas Mühe ist das im Folgenden möglich, man kann aber auch einfach weiter scrollen.
Ein paar Details seien in Normalschrift verraten. Baubeginn des Parks war Mitte des 19. Jahrhunderts, der Märchenbrunnen entstand ab 1893 und wurde nach etlichen Unterbrechungen zum 25. Krönungsjubiläum von Wilhelm II. 1913 eröffnet. Er hat insgesamt 1 Million Goldmark gekostet, das jährliche Budget betrug aber nur 80.000, was u.a. die lange Bauzeit erklärt. Damals hat's also auch schon mal gedauert mit größeren Bauvorhaben in Berlin.
Nach so viel Kultur wollen wir erst mal einfach Park genießen, und das lässt sich zunächst auch ganz gut an (bis auf den finsteren Himmel, aber dafür kann ich nichts).
Aber wir sind hier in Berlin, und der nächste Erinnerungsort ist nie weit weg, wobei dieser optisch außerordentlich ansprechend ist.
Es handelt sich um die Welt-Friedens-Glocke und -Säule zur Erinnerung an den Atombombenabwurf auf Hiroshima und Nagasaki am 8. und 9.8.1945. Die Glocke wird jedes Jahr zum Gedenktag geläutet.
Es handelt sich um die Welt-Friedens-Glocke und -Säule zur Erinnerung an den Atombombenabwurf auf Hiroshima und Nagasaki am 8. und 9.8.1945. Die Glocke wird jedes Jahr zum Gedenktag geläutet.
Ein Kuriosum am Rande: Das Kupferdach über der Glocke wurde schon mehrfach von Buntmetalldieben gestohlen. Es handelt sich jetzt nur noch um ein Kupferimitat.
Der VP Friedrichshain hat noch einiges mehr zu bieten, z.B. den ehemaligen Hochbunker und heutigen Mont Klamott mit seiner Geschichte und seinen Geschichten (s.u. zum schon mal reinlesen), aber das schaffen wir heute nicht mehr, da müssten wir ja hoch und wieder runter steigen ... Wir gehen heim.
Wer noch ein bißchen am Märchenbrunnen spazieren gehen will (bei besserem Wetter und schöner Musik), der kann das hier tun.
























Sehr interessant und du machst dir so viel Muehe, Alles so schoen darzustellen. Vielen Dank.
AntwortenLöschenWieder mal sehr informativ und unterhaltend zugleich!
AntwortenLöschenSuper spannend, mit dir durch die Stadt zu reisen!
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