Di. 28.2.23 Litfaßplatz, Heilig-Geist-Kapelle, Denkmal Rosenstraße
Im Radio haben sie gesagt, dass gestern der 80. Jahrestag der sogenannten "Fabrikaktion" der Nazis war, und dass es dazu ein Denkmal in der Rosenstraße gibt. Schau ich mir an. Ich stelle erstaunt fest, dass ich da schon hundertmal vorbei gekommen bin, aber eben nur vorbei, ich hätte mal um die Ecke gehen müssen. Ich fahr mit der M4 bis Marienkirche und mach mich auf den Weg. Erstmal lauter Bekannte.
So sieht man Alex und Marie auch nur im Winter, sonst sind immer die Bäume davor.
Weiter um die Ecke Richtung Hackescher Markt. Hier grüßt erstmal die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Humbolduni. Der steht hier als Veranstaltungsraum eines der ältesten Gebäude Berlins zur Verfügung, die Heilig-Geist-Kapelle (um 1300, hier im Bild direkt rechts von der Tram)
Dann eine der Touristenattraktionen, kulturell besonders wertvoll :-).
Rechts um die Ecke der Litfaßplatz. Zu Ehren von Ernst Litfaß, der hat die nach ihm benannten Säulen ab Mitte des 19. Jahrhunderts in Berlin aufgestellt und als Werbeflächen angeboten. Hat viel Geld damit verdient.
Soweit, so bekannt.
Jetzt geht's nochmal rechts um die Ecke, in die Heidereuterstraße, da war ich tatsächlich noch nie. Und da finde ich dann auch gleich das Denkmal in der Rosenstraße. Weil es so interessant ist, kopier ich hier den ganzen Text der Gedenktafel rein:
"An der Stelle Ecke Rosenstraße / Heidereutergasse stand bis zu seiner Zerstörung in den letzten Kriegstagen 1945 das Gebäude der Sozial-Verwaltung der jüdischen Gemeinde Berlins, Rosenstraße 2-4. Es war nach der Fabrik-Aktion der Nationalsozialisten vom 27./28. Februar 1943 Gefängnis für viele hundert jüdische Ehepartner und Kinder in sogenannten Mischehen. Vor dem Haus protestierten tage- und nächtelang Hunderte von Menschen, überwiegend Frauen, gegen eine drohende Deportation nach Auschwitz. Nach einer Woche gewaltlosen Protests kamen die meisten Gefangenen frei.
Das benachbarte Denkmal der Berliner Künstlerin Ingeborg Hunzinger ist diesem Ereignis gewidmet. Hinter dem Gebäude befand sich in der Heidereutergasse die älteste Synagoge Berlins.
1714 eingeweiht, wurde 1942 in ihr der letzte Gottesdienst abgehalten vor der Zerstörung 1945."
Einer der wenigen öffentlichen Proteste im Nationalsozialismus, die was bewirkt haben.
Ein paar Schritte weiter bin ich dann wieder an der Spandauerstraße, gegenüber Marie. Die Litfaßsäule weist übrigens auf die Gedenkstätte in der Rosenstraße hin. Das Problem ist: Man müsste hingehen und richtig Text lesen. Hab ich bisher nie getan, obwohl ich hier schon oft auf den Bus gewartet habe.






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