16.3.23 Deko-Döner, Unterführung Greifswalder Bahnhof, Jimmy Hendrix, Jim Morrison, Blackland, Ernst-Thälmann-Park
Donnerstag, 16.3.
Das Wetter ist schön und wir beschließen, heute mal einfach nur ums Eck zu gehen, in den Thälmann Park.
Da kommen wir zunächst an dem neu eröffneten Döner vorbei, von dem ich Anfang des Monats berichtet habe. Die haben mittlerweile umdekoriert, statt der Brautsträuße gibts jetzt dezent schwarz-gelbe Luftballonvarianten. Vielleicht handelt es sich ja um ein Joint venture: Man kann hier für seine Party nicht nur das Essen, sondern auch die Dekoration bestellen. "Döner & Deko" sozusagen.
Der Döner kostet jetzt allerdings 6 statt 2,98 €.
Auf unserem weiteren Weg, direkt vor Aldi, blicken aus dem ersten Stock wachsbleiche Schaufensterpuppen über die Stadt. Hier war mal ein Erotikdiscount (hieß wirklich so, 3 Filme zum Preis von einem), aber das läuft anscheinend nicht mehr so. Der Laden steht schon seit einigen Wochen leer.
Die Unterführung unter den S-Bahn-Gleisen hindurch ist teilweise möbliert. Die Bewohner sind allerdings auf "Arbeit", nehme ich an. Hier kommt ja nichts weg. Man kann an einem Tag so ca. 30 € einsammeln in Berlins Straßen und Bahnen, habe ich mir sagen lassen. Man sollte den Menschen ein Haus zu ihren Möbeln verschaffen, denke ich. "Housing first" heißt das Projekt. Hoffentlich wird's was.Jetzt sind wir am Eingang zum Thälmann-Park. Von rechts grüßen zwei alte Bekannte. Jim Morrison von den Doors und Jimmi Hendrix. Beides wunderbare Musiker - und mit 27 Jahren gestorben. Ewig schade.
Der Metal-Rock-Pub "Blackland", dem wir die Bilder verdanken, ist anscheinend Corona zum Opfer gefallen. Es geht ihm offensichtlich gar nicht gut. Nannte sich auch "Jack-Daniels-Pilgerstätte". Ich war nie drin, aber schad ist es trotzdem.
Und jetzt sind wir im Park. Selten wurde Plattenbau so gut inszeniert wie hier. Es war die letzte große Sozialbau-Siedlung der DDR, 1983-86 auf dem Gelände eines ehemaligen Gaswerks erbaut, die im Gegensatz zu anderen Quartieren nicht am Stadtrand, sondern mitten in der Stadt gebaut wurde. Es entstanden Wohnungen für 4000 Menschen und im zugehörigen Park wurden 4000 Bäume gepflanzt. Mittlerweile steht das Ganze unter Denkmalschutz und der Kiezteich ist ein Biotop. Meines Erachtens ist diese Siedlung ein Beweis, dass man auch ansprechenden sozialen Wohnungsbau betreiben kann. Die Leute wohnen übrigens gerne hier.
Der störende Zaun hier im Vordergrund schützt eine neu gebaute biologische Wasserreinigungsanlage. Diese soll die bereits bestehende Anlage (hinten links) ergänzen und den Kiezteich, der weder Zu- noch Ablauf hat, dauerhaft mit Frischwasser versorgen. Denn leider sind erhebliche Altlasten von der ehemaligen Gasfabrik zu verkraften.
Wer mag, kann sich das hier durchlesen.
Es stehen auch noch ein par Gebäude der alten Fabrik. Heute ist da Kultur drin, was sonst?
Das hier ist zwar nicht alt, aber für mich fast das Wichtigste im Thälman-Park, zumindest nach 20:00 Uhr. "Unser" Club: "Die Wabe". In kommunaler Hand, also vom Bezirk betrieben, und deshalb auch nicht so leicht totzukriegen. Fast täglich finden hier Live-Konzerte statt (maximal 20 € Eintritt, meist regionale Bands und Künstler, was aber der Qualität keinen Abbruch tut und man sitzt 5-10 m von der Bühne entfernt). Wir haben schon viele schöne Stunden hier verbracht.
Bleibt noch die Kunst im öffentlichen Raum, die natürlich auch im Thälmann-Park nicht zu kurz kommt. Zu allererst natürlich Ernst, der Schädel. Bißchen bombastisch geraten für meinen Geschmack, aber dennoch irgendwie beeindruckend. Das Werk von Lew Kerbel wiegt 50 Tonnen.
Thälmann war übrigens von 1925 bis zu
seiner Verhaftung im Jahr 1933 Vorsitzender der Kommunistischen Partei
Deutschlands, die er von 1924 bis 1933 im Reichstag vertrat. Er wurde dann nach dem Reichstagsbrand verhaftet, saß 11 Jahre in Haft und wurde 1944 in Buchenwald erschossen.
Es gibt auch noch andere Kunst, offizielle und nicht so offizielle.
Titel und KünstlerIn sind mir nicht bekannt, aber irgendwie eine bezaubernde Idee











Danke für den interessanten Spaziergang! Ich bin gespannt auf den nächsten! LG Angelika
AntwortenLöschenDanke für den etwas anderen Reiseführer über Berlin. Und die z.T. sehr inspirierenden Fotos.
LöschenZum 16.3.:
Die Döner-Inflation ist ja gewaltig!
Bewohner der Unterführung: in Köln kommt die Polizei. Paula guckt auch schon ganz schlappohrig-traurig.
Jim Morrison beehrt jetzt den Friedhof Père-Lachaise in Paris mit seiner (leider stummen) Anwesenheit.
Plattenbau im Park: man sieht, dass es auf die (grüne) Umgebung ankommt bei solchen Projekten. Sonst ist Trostlosigkeit vorprogrammiert.
Gaswerk im Thälmann-Park: wie ansprechend und solide damals Fabriken gebaut wurden. Was hat sich verändert?
Das Hohe Plateau liegt mehr als doppelt so hoch über NN als der Kölner Dom (41,4 m)
Lieber Cousin, bin grad nicht gut zu Fuß , da war der Spaziergang , den ich von meinem Sessel aus mit euch machen konnte , ein interessanter Ausflug
AntwortenLöschenGrüßle Heli
Danke Dir :-) macht viel Spass Dich bei Deinen Spaziergaengen zu begleiten...
AntwortenLöschenhi lieber Albrecht, es ist ja grade so, als ob ich an deiner Seite durch die Strassen gehe!!
AntwortenLöschenEcht interessant!!!